Wachstumsphase

Die Wachstumsphase, auch als vegetative Phase bezeichnet, ist die Entwicklungsperiode im Lebenszyklus der Cannabispflanze, die direkt nach dem Sämlingsstadium beginnt und vor der Einleitung der Blütephase endet. In dieser entscheidenden Zeit konzentriert die Pflanze ihre gesamte Energie auf die Entwicklung einer robusten Struktur. Sie bildet primär Blätter, Stängel, Zweige und ein kräftiges Wurzelsystem. Eine gesunde und ausgedehnte Wachstumsphase legt das fundamentale Gerüst für die spätere Blütenproduktion und ist somit direkt für das Ertragspotenzial der Pflanze verantwortlich.

Inhaltsverzeichnis

Die Bedeutung der Wachstumsphase im Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Cannabis lässt sich grob in vier Hauptstadien unterteilen: Keimung, Wachstumsphase, Blütephase und Ernte. Die vegetative Phase fungiert dabei als das Fundament des gesamten Zyklus. Je größer, gesünder und strukturierter eine Pflanze in dieser Phase wird, desto mehr Energie kann sie später in die Entwicklung von dichten und harzigen Blüten investieren.

Die in der Wachstumsphase gebildeten Fächerblätter agieren wie Solarzellen, die durch Photosynthese die Energie für das gesamte Pflanzenwachstum erzeugen. Ein kräftiger Hauptstamm und stabile Seitenäste sind notwendig, um das Gewicht der zukünftigen Blüten tragen zu können. Ein weit verzweigtes Wurzelsystem sorgt für eine optimale Aufnahme von Wasser und Nährstoffen. Fehler oder Mängel in dieser Phase, wie beispielsweise ein Nährstoffmangel oder Schädlingsbefall, können die Pflanze nachhaltig schwächen und den finalen Ertrag erheblich reduzieren.

Photoperiodismus: Der entscheidende Lichtzyklus

Cannabis ist eine photoperiodische Pflanze, was bedeutet, dass ihr Lebenszyklus stark von der Dauer der täglichen Licht- und Dunkelphasen beeinflusst wird.

Lichtzyklus für photoperiodische Sorten

Um im vegetativen Zustand zu bleiben, benötigen photoperiodische Cannabissorten lange Tage und kurze Nächte. Im Outdoor-Anbau entspricht dies der natürlichen Zunahme der Tageslänge im Frühling und Sommer. Indoor-Gärtner simulieren diese Bedingungen, indem sie einen Lichtzyklus von 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit (18/6) einstellen. Dieser Zyklus hat sich als Industriestandard etabliert, da er ein kräftiges Wachstum fördert und der Pflanze gleichzeitig eine kurze Erholungsphase in der Dunkelheit gönnt. Alternativen wie 20/4 oder sogar eine durchgehende Beleuchtung von 24/0 sind möglich, jedoch ist der Nutzen im Vergleich zum höheren Energieverbrauch umstritten. Die Pflanze verbleibt so lange in der Wachstumsphase, wie dieser Lichtzyklus aufrechterhalten wird.

Die Besonderheit bei Autoflowering-Sorten

Autoflowering-Sorten (selbstblühende Sorten) stellen eine Ausnahme dar. Ihre Genetik enthält Anteile von Cannabis Ruderalis, einer Unterart, die nicht auf Lichtzyklen reagiert, um die Blüte einzuleiten. Stattdessen beginnen sie nach einer genetisch festgelegten Zeitspanne von typischerweise 2-4 Wochen automatisch zu blühen. Dennoch profitieren auch sie während ihrer kurzen Wachstumsphase von langen Lichtperioden wie 18/6 oder 20/4, um in der begrenzten Zeit so viel Biomasse wie möglich aufzubauen.

Dauer der Wachstumsphase

Die Länge der vegetativen Phase ist einer der flexibelsten Aspekte beim Cannabisanbau und hängt stark von der Anbaumethode und den Zielen des Gärtners ab.

  • Outdoor-Anbau: Im Freien wird die Dauer von der Natur vorgegeben. Die Pflanzen beginnen im Frühling zu wachsen, wenn die Tage länger werden, und verbleiben den gesamten Sommer über in der Wachstumsphase. Der Übergang zur Blüte wird erst eingeleitet, wenn die Tage ab Spätsommer (meist im August auf der Nordhalbkugel) wieder kürzer werden.
  • Indoor-Anbau: In einem kontrollierten Umfeld hat der Gärtner die volle Kontrolle. Durch die Umstellung des Lichtzyklus von 18/6 auf 12/12 (12 Stunden Licht, 12 Stunden Dunkelheit) wird der Pflanze der „Herbst“ signalisiert, was die Blütephase einleitet. Eine typische Wachstumsphase dauert hier zwischen 3 und 8 Wochen. Eine kürzere Phase führt zu kleineren, schneller erntereifen Pflanzen, während eine längere Phase zu größeren Pflanzen mit einem höheren Ertragspotenzial führt.

Pflege und Umweltfaktoren

Um ein optimales vegetatives Wachstum zu gewährleisten, müssen mehrere Umweltfaktoren präzise gesteuert werden.

Nährstoffbedarf

In der Wachstumsphase hat die Pflanze einen hohen Bedarf an Stickstoff (N). Stickstoff ist ein wesentlicher Baustein für Chlorophyll und Proteine und somit entscheidend für die Entwicklung von Blättern und Stängeln. Düngemittel für diese Phase weisen daher ein hohes N-P-K-Verhältnis auf, bei dem der erste Wert (N) dominiert. Auch sekundäre Nährstoffe wie Kalzium (Ca) und Magnesium (Mg) sowie Mikronährstoffe sind für eine gesunde Entwicklung unerlässlich.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Die ideale Temperatur für die vegetative Phase liegt tagsüber zwischen 22 °C und 28 °C. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte etwas höher sein als in der Blütephase, idealerweise zwischen 40 % und 70 %. Eine höhere Luftfeuchtigkeit reduziert den Wasserstress für junge Pflanzen und fördert ein üppiges Blattwachstum.

Trainingstechniken

Die Wachstumsphase ist der perfekte Zeitpunkt, um die Struktur der Pflanze durch verschiedene Trainingstechniken zu formen. Methoden wie Topping (das Abschneiden der Haupttriebspitze) oder Low-Stress-Training (LST) (das sanfte Herunterbinden von Ästen) regen die Pflanze an, buschiger zu wachsen und mehrere Hauptblüten anstelle von nur einer zu entwickeln. Dies optimiert die Lichtausnutzung und kann den finalen Ertrag erheblich steigern.

Siehe auch