Blütephase

Die Blütephase, auch Blühphase genannt, ist die generative Periode im Lebenszyklus der Cannabispflanze, in der sie ihre Fortpflanzungsorgane – die Blüten, umgangssprachlich als „Buds“ bezeichnet – ausbildet. Dieser Abschnitt folgt auf die vegetative Wachstumsphase und ist für Gärtner der entscheidende Zeitraum, da in den weiblichen Blüten die begehrten Cannabinoide (wie THC und CBD) und Terpene in den höchsten Konzentrationen produziert werden. Die Dauer der Blütephase variiert je nach Genetik der Sorte zwischen sechs und über zwölf Wochen.

Inhaltsverzeichnis

Die Einleitung der Blütephase

Der Übergang von der vegetativen Phase zur Blütephase wird nicht durch das Alter der Pflanze, sondern durch einen externen Umweltreiz gesteuert: die Veränderung der täglichen Lichtdauer. Dieses Phänomen wird als Photoperiodismus bezeichnet.

Der Auslöser: Photoperiodismus

Cannabis ist eine Kurztagpflanze. Das bedeutet, sie beginnt mit der Blütenbildung, sobald die Tage kürzer werden und sie längere, ununterbrochene Dunkelphasen erhält.

  • Outdoor-Anbau: In der Natur wird die Blütephase nach der Sommersonnenwende (um den 21. Juni auf der Nordhalbkugel) eingeleitet, wenn die Tage allmählich kürzer werden. Die meisten photoperiodischen Sorten beginnen in Mitteleuropa im Laufe des Augusts sichtbar zu blühen.
  • Indoor-Anbau: Beim Anbau in geschlossenen Räumen wird dieser Prozess künstlich herbeigeführt, indem der Lichtzyklus von üblichen 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit (18/6) auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit (12/12) umgestellt wird. Die ununterbrochene 12-stündige Dunkelphase ist das entscheidende Signal für die Pflanze.

Eine Ausnahme bilden sogenannte Autoflower-Sorten, deren Blütezeitpunkt genetisch festgelegt ist und nicht vom Lichtzyklus abhängt.

Die Vorblüte und Geschlechtsbestimmung

Kurz nach der Umstellung des Lichtzyklus oder bei kürzer werdenden Tagen tritt die Pflanze in die sogenannte Vorblüte ein. In dieser Übergangszeit von ein bis zwei Wochen offenbart die Pflanze ihr Geschlecht. Dies ist ein kritischer Moment, da nur weibliche Pflanzen die potenten, harzigen Blüten (Sinsemilla) ausbilden. Männliche Pflanzen produzieren Pollensäcke. Wenn ihr Pollen weibliche Blüten bestäubt, stecken diese ihre Energie in die Samenproduktion statt in die Cannabinoid-Produktion, was den Ertrag und die Qualität drastisch reduziert. Daher müssen männliche Pflanzen umgehend identifiziert und entfernt werden.

Die Stadien der Blütephase

Obwohl die Blütephase oft in Wochen gezählt wird, lässt sie sich besser in drei funktionale Abschnitte unterteilen. Die genaue Dauer jedes Stadiums ist stark von der Sorte abhängig.

Phase 1: Die Streckung (ca. Woche 1-3)

Nach der Einleitung der Blüte stellt die Pflanze ihr Wachstum nicht sofort ein. Im Gegenteil, sie erlebt einen starken Wachstumsschub, der als „Stretch“ bekannt ist. In dieser Zeit kann sich die Höhe der Pflanze verdoppeln oder sogar verdreifachen. Sie schafft damit die nötige Struktur, um das spätere Gewicht der Blüten tragen zu können. An den Nodien, den Verzweigungen am Stängel, bilden sich die ersten weißen Blütenstempel (Pistillen), die wie feine Härchen aussehen und die beginnende Blütenbildung anzeigen.

Phase 2: Die Blütenbildung (ca. Woche 3-5)

Nachdem der „Stretch“ abgeschlossen ist, konzentriert die Pflanze ihre gesamte Energie auf die Entwicklung der Blüten. Die kleinen Blütenansätze an den Nodien schwellen an und verbinden sich zu größeren Clustern, den sogenannten Colas. In diesem Stadium beginnt auch die Produktion von Trichomen, den winzigen Harzdrüsen, die für das „frostige“ Aussehen der Blüten verantwortlich sind. Der Geruch der Pflanze wird nun zunehmend intensiver, da auch die Terpenproduktion auf Hochtouren läuft.

Phase 3: Die Reifung und das Anschwellen (ca. Woche 6 bis zur Ernte)

In der letzten Phase der Blüte findet kein nennenswertes vegetatives Wachstum mehr statt. Die Blüten legen nun massiv an Gewicht, Dichte und Harz zu. Die weißen Blütenstempel beginnen sich von weiß zu orange, rot oder braun zu verfärben. Dieser Farbwechsel ist jedoch kein zuverlässiger Indikator für die Erntereife. Der entscheidende Faktor ist der Reifegrad der Trichome, der mit einem Taschenmikroskop beurteilt wird (klar, milchig oder bernsteinfarben). In den letzten ein bis zwei Wochen vor der Ernte stellen viele Gärtner die Düngung ein und „spülen“ die Pflanze nur noch mit klarem Wasser, um überschüssige Nährstoffsalze aus dem Medium und der Pflanze zu entfernen.

Angepasste Pflege in der Blütephase

Die Bedürfnisse der Pflanze ändern sich in der Blütephase grundlegend.

  • Nährstoffe: Der Bedarf an Stickstoff (N), der im vegetativen Wachstum dominant war, sinkt rapide. Stattdessen steigt der Bedarf an Phosphor (P) für die Blütenbildung und Kalium (K) für die Fruchtentwicklung und allgemeine Pflanzenvitalität massiv an. Es werden spezielle Blütedünger mit einem hohen P-K-Anteil verwendet.
  • Umwelt: Besonders beim Outdoor-Anbau im Herbst ist die Kontrolle der Umweltbedingungen entscheidend. Eine gute Luftzirkulation ist das A und O, um die Gefahr von Schimmelbildung (Botrytis) zu minimieren. Die Pflanzen sollten, wenn möglich, vor langanhaltendem Regen geschützt werden, da Feuchtigkeit in den dichten Blüten eine Brutstätte für Pilzsporen darstellt.

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