Beschneiden

Beschneiden bezeichnet im Gartenbau das gezielte und strategische Entfernen von bestimmten Pflanzenteilen, um das Wachstum zu manipulieren, die Pflanzengesundheit zu fördern und den Ertrag zu steigern. Im Kontext des Cannabisanbaus ist das Beschneiden eine grundlegende Technik des Pflanzentrainings, mit der Gärtner die natürliche Wuchsform der Pflanze, die sogenannte Apikaldominanz, durchbrechen und die Energie der Pflanze gezielt in die Entwicklung von Blüten lenken.

Inhaltsverzeichnis

Die Ziele des Beschneidens

Das Beschneiden dient nicht dazu, die Pflanze wahllos zu stutzen, sondern verfolgt mehrere klare Ziele, die in ihrer Kombination zu einer erfolgreicheren Ernte führen.

  • Ertragssteigerung: Durch das Entfernen der obersten Triebspitze (Topping) wird das Signal der Pflanze, hauptsächlich in die Höhe zu wachsen, unterbrochen. Die Pflanze reagiert, indem sie ihre Energie auf die unteren Seitentriebe verteilt, was zur Bildung mehrerer Hauptblüten (Colas) anstelle von nur einer führt.
  • Verbesserte Lichtdurchdringung: Große Fächerblätter können unteren Pflanzenteilen und angehenden Blüten das Licht nehmen. Durch gezieltes Entfernen dieser Blätter (Entlauben) wird sichergestellt, dass das Licht auch die tieferen Bereiche der Pflanze erreicht, was zu einer gleichmäßigeren und potenteren Blütenentwicklung führt.
  • Optimierte Luftzirkulation: Ein zu dichtes Blattwerk, besonders im unteren Bereich der Pflanze, kann die Luftzirkulation behindern. Dies schafft ein feuchtes Mikroklima, das die Bildung von Schimmel, insbesondere von Grauschimmel (Botrytis), begünstigt. Das Beschneiden lichtet das Blattwerk und reduziert dieses Risiko erheblich.
  • Wuchskontrolle: Insbesondere bei begrenztem Platz oder aus Gründen der Diskretion kann durch Beschneiden die Höhe und Breite der Pflanze kontrolliert werden. Die Pflanze wird dazu angeregt, buschiger und kompakter zu wachsen.

Gängige Beschneidungstechniken

Es gibt verschiedene Methoden des Beschneidens, die oft in Kombination angewendet werden, um die Pflanzenstruktur optimal zu formen.

  • Topping: Hierbei wird die oberste Triebspitze der Pflanze sauber abgeschnitten. Aus der darunterliegenden Nodie entwickeln sich daraufhin zwei neue Haupttriebe.
  • Lollipopping: Diese Technik konzentriert sich auf den unteren Teil der Pflanze. Alle kleinen Triebe und Blätter, die ohnehin nur wenig Licht erhalten und kaum nennenswerte Blüten produzieren würden („Popcorn-Buds“), werden entfernt. Die Pflanze sieht danach aus wie ein Lutscher (Lollipop) und steckt ihre gesamte Energie in die oberen, ertragreichen Blüten.
  • Entlauben (Defoliation): Das gezielte Entfernen von großen, schattenspendenden Fächerblättern, um die Lichtversorgung der Blütenansätze zu verbessern. Diese Methode erfordert Fingerspitzengefühl, da die Blätter auch wichtige Energiespeicher sind.

Der richtige Zeitpunkt

Der Zeitpunkt ist entscheidend für den Erfolg des Beschneidens. Die meisten strukturellen Eingriffe wie das Topping sollten ausschließlich in der vegetativen Phase (Wachstumsphase) durchgeführt werden, wenn die Pflanze stark und gesund ist und genügend Zeit hat, sich vom Stress zu erholen. Ein leichtes Entlauben kann auch in den ersten Wochen der Blütephase noch sinnvoll sein. Kranke oder schwache Pflanzen sollten generell nicht beschnitten werden, da der zusätzliche Stress ihnen schaden könnte.

Siehe auch