Keimung

Die Keimung, auch Germination genannt, ist der komplexe biophysiologische Prozess, bei dem ein Pflanzensamen aus seiner Ruhephase (Dormanz) erwacht und seine Entwicklung zu einer Pflanze beginnt. Für den Gärtner ist dies der erste und einer der kritischsten Schritte im Lebenszyklus von Cannabis. Eine erfolgreiche Keimung legt den Grundstein für einen gesunden und kräftigen Keimling und ist somit entscheidend für den späteren Erfolg des gesamten Anbauvorhabens.

Inhaltsverzeichnis

Voraussetzungen für die Keimung

Damit ein Cannabissamen erfolgreich keimen kann, müssen bestimmte Umweltbedingungen erfüllt sein. Fehlt einer dieser Faktoren, kann der Prozess fehlschlagen oder der Samen verbleibt in seiner Ruhephase.

  • Wasser: Wasser ist der entscheidende Auslöser für die Keimung. Der trockene Samen nimmt Wasser auf (ein Prozess, der als Quellung bezeichnet wird), wodurch die Samenschale aufweicht und die Stoffwechselprozesse im Inneren aktiviert werden. Enzyme werden aktiv und beginnen, die gespeicherten Nährstoffe für das Wachstum verfügbar zu machen.
  • Wärme: Cannabis-Samen bevorzugen eine konstante, warme Temperatur, um zu keimen. Der ideale Bereich liegt zwischen 20 °C und 25 °C. Zu kalte Temperaturen verlangsamen den Prozess erheblich oder verhindern ihn ganz, während zu hohe Temperaturen den empfindlichen Embryo schädigen können.
  • Sauerstoff: Auch wenn der Samen unter der Erde oder in einem feuchten Tuch liegt, benötigt er Sauerstoff für die Zellatmung. Dies ist der Grund, warum ein zu nasses Substrat („ertränken“) die Keimung verhindern kann – das Wasser verdrängt den für die Atmung notwendigen Sauerstoff im Medium.
  • Dunkelheit: Cannabis gehört zu den sogenannten Dunkelkeimern. Die Samen benötigen Dunkelheit, um den Keimprozess optimal zu starten. Licht kann die Keimung hemmen, weshalb Samen immer mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt oder in einem lichtundurchlässigen Behälter gekeimt werden sollten.

Der Ablauf der Keimung

Sobald die richtigen Bedingungen erfüllt sind, läuft der Keimprozess in mehreren Schritten ab:

  1. Wasseraufnahme (Quellung): Der Samen absorbiert Wasser und schwillt an.
  2. Aufbrechen der Samenschale: Durch den inneren Druck bricht die harte Samenschale an ihrer Nahtstelle auf.
  3. Wurzelbildung: Als Erstes tritt die weiße Keimwurzel (Radicula) aus dem Samen aus. Angetrieben von der Schwerkraft wächst sie nach unten und verankert den zukünftigen Keimling im Substrat. Sie beginnt sofort mit der Aufnahme von Wasser.
  4. Sprossbildung: Kurz darauf wächst der Keimstängel (Hypokotyl) in die entgegengesetzte Richtung, nach oben zum Licht. Er durchbricht die Erdoberfläche und zieht dabei die Samenschale und die darin enthaltenen Keimblätter mit sich.
  5. Entfaltung der Keimblätter: Sobald der Keimling das Licht erreicht hat, wirft er die Samenhülle ab und die beiden ersten, kleinen und ovalen Keimblätter (Kotyledonen) entfalten sich. Damit ist die Keimung abgeschlossen und die eigentliche Wachstumsphase beginnt.

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