Entlauben

Entlauben, auch als Defoliation bekannt, ist eine fortgeschrittene Anbautechnik, bei der strategisch Blätter von einer Cannabispflanze entfernt werden. Das primäre Ziel dieser Methode ist es, die Lichtdurchdringung zu den unteren und inneren Teilen der Pflanze zu verbessern und die Luftzirkulation im Blattwerk zu erhöhen. Richtig angewendet, kann das Entlauben zu einer gleichmäßigeren Entwicklung der Blüten und potenziell zu einem höheren Gesamtertrag führen. Es zählt zu den High-Stress-Training (HST) Techniken und sollte daher mit Bedacht eingesetzt werden.

Inhaltsverzeichnis

Die Ziele des Entlaubens

Das Entfernen von Blättern dient mehreren Zwecken, die alle auf die Optimierung der Pflanzenenergie und -gesundheit abzielen.

  • Verbesserte Lichtverteilung: Große Fächerblätter (Sonnensegel) im oberen Bereich der Pflanze können einen erheblichen Schatten werfen und verhindern, dass ausreichend Licht zu den darunterliegenden Blütenansätzen gelangt. Durch das gezielte Entfernen dieser Blätter können auch die unteren „Popcorn-Buds“ mehr Lichtenergie erhalten und sich zu voller Größe entwickeln.
  • Erhöhte Luftzirkulation: Ein dichtes Blattwerk kann die Luftzirkulation innerhalb der Pflanze stark einschränken. Dies schafft ein feuchtes Mikroklima, das ideale Bedingungen für die Entstehung von Schimmelpilzen wie Grauschimmel (Botrytis) oder Mehltau bietet. Entlauben sorgt für einen besseren Luftaustausch, trocknet die Pflanze schneller nach Regen ab und reduziert das Schimmelrisiko erheblich.
  • Energieumleitung: Eine weit verbreitete Theorie besagt, dass die Pflanze nach dem Entfernen von Blättern ihre Energie von der Blatterhaltung auf die Blütenproduktion umleitet. Die Pflanze konzentriert ihre Ressourcen somit auf die Entwicklung der verbleibenden Blüten, was zu größeren und dichteren Buds führen kann.

Der richtige Zeitpunkt und das richtige Maß

Der Zeitpunkt ist beim Entlauben entscheidend für den Erfolg. Eine falsche Anwendung kann die Pflanze stressen und das Wachstum hemmen.

  • Späte Wachstumsphase: Eine leichte Entlaubung kann kurz vor der Einleitung der Blütephase vorgenommen werden, um die Pflanze auf die bevorstehende Blütenproduktion vorzubereiten.
  • Frühe bis mittlere Blütephase: Der häufigste Zeitpunkt für eine stärkere Entlaubung ist etwa in der dritten Woche der Blütephase, nachdem der anfängliche „Stretch“ abgeschlossen ist. Hier werden gezielt Blätter entfernt, die primäre Blütenstandorte verschatten.
  • Wann man nicht entlauben sollte: Kranke, gestresste oder junge Pflanzen sollten niemals entlaubt werden. Auch bei Autoflower-Sorten ist Vorsicht geboten, da ihr kurzer Lebenszyklus wenig Zeit zur Erholung von Stress lässt. In der späten Blütephase sollte ebenfalls auf das Entfernen von Blättern verzichtet werden, da die Pflanze diese als Nährstoffspeicher für die finale Reifung benötigt.

Als Faustregel gilt, niemals mehr als 20-30% des gesamten Blattwerks auf einmal zu entfernen, um die Pflanze nicht zu überfordern.

Risiken und Kontroversen

Entlauben ist nicht unumstritten. Die Fächerblätter sind die primären „Solarmodule“ der Pflanze und essenziell für die Fotosynthese. Ein zu aggressives Vorgehen kann die Pflanze ihrer Fähigkeit berauben, Energie zu produzieren, und sie nachhaltig schwächen. Zudem dienen die Blätter als Speicher für mobile Nährstoffe, auf die die Pflanze bei einem Mangel zurückgreifen kann. Anfänger sollten sich daher langsam an diese Technik herantasten und zunächst nur wenige, offensichtlich schattenspendende Blätter entfernen.

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