Schimmel
Schimmel ist ein Sammelbegriff für ein weites Spektrum an Pilzen, die unter bestimmten Umweltbedingungen auf organischem Material wachsen und dieses zersetzen. Im Kontext des Cannabisanbaus, insbesondere im Freien, stellt Schimmel die größte Bedrohung für eine erfolgreiche ErnteDie Ernte ist der Prozess des Abschneidens der reifen Cannabisblüten. Der richtige Zeitpunkt, primär bestimmt durch die Trichomfarbe, ist entscheidend für die spätere Potenz, das Aroma und die Wirkung des Endprodukts. Mehr dazu im Grow-Wiki dar. Er kann die Pflanze in jedem Lebensstadium befallen, ist aber vor allem in der späten BlütephaseDie Blütephase ist der Lebensabschnitt der Cannabispflanze, in dem sie ihre Blüten (Buds) entwickelt. Sie wird durch eine Verkürzung der täglichen Lichtstunden eingeleitet und ist entscheidend für den späteren Ertrag und die Potenz der Ernte. Mehr dazu im Grow-Wiki verheerend, da er die wertvollen BlütenEin Bud ist die Blüte der weiblichen Cannabispflanze, in der Cannabinoide und Terpene produziert werden. Er besteht aus einer Ansammlung von Blütenkelchen (Calyxen), Stempeln (Pistillen) und Trichomen. Mehr dazu im Grow-Wiki innerhalb kürzester Zeit unbrauchbar und gesundheitsschädlich machen kann. Ein fundiertes Wissen über die Entstehung, Erkennung und Prävention von Schimmel ist daher für jeden Gärtner unerlässlich.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Schimmel und warum befällt er Cannabis?
- Die häufigsten Schimmelarten beim Cannabisanbau
- Prävention: Die beste Strategie gegen Schimmel
- Gesundheitsrisiken und Umgang mit befallenem Material
- Siehe auch
Was ist Schimmel und warum befällt er Cannabis?
Schimmelpilze sind mikroskopisch kleine Organismen, die ein natürlicher und wichtiger Teil des Ökosystems sind. Ihre Sporen sind praktisch überall in der Luft und im Boden vorhanden. Sie bleiben inaktiv, bis sie auf eine Oberfläche treffen, die ihnen passende Bedingungen zum Keimen und Wachsen bietet.
Biologische Grundlagen und ideale Bedingungen
Für die Entwicklung von Schimmel sind vier Faktoren entscheidend:
- Feuchtigkeit: Dies ist der wichtigste Faktor. Anhaltende Nässe, hohe LuftfeuchtigkeitDie relative Luftfeuchtigkeit (RLF) beschreibt den Sättigungsgrad der Luft mit Wasserdampf. Im Cannabisanbau steuert sie die Transpiration, Nährstoffaufnahme und das Risiko von Schimmelbefall. Die idealen Werte ändern sich je nach Lebensphase der Pflanze. Mehr dazu im Grow-Wiki (typischerweise über 60%) oder stehendes Wasser auf Blättern und Blüten schaffen ein ideales Milieu.
- Temperatur: Die meisten Schimmelarten bevorzugen moderate bis warme Temperaturen, oft im Bereich von 15-25 °C, was genau dem Temperaturbereich entspricht, in dem CannabisCannabis ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Sie wird seit Jahrtausenden als Faser-, Heil- und Rauschmittelpflanze genutzt. Die Hauptarten sind Sativa, Indica und Ruderalis. Mehr dazu im Grow-Wiki im Spätsommer und Herbst blüht.
- Nährboden: Die organische Substanz der Cannabispflanze, insbesondere die zuckerreichen Blüten, bietet eine perfekte Nahrungsquelle.
- Sauerstoff: Wie die meisten Lebewesen benötigen auch Schimmelpilze Sauerstoff zum Wachsen.
Mangelnde LuftzirkulationLuftzirkulation beschreibt die Bewegung von Luft um und durch die Cannabispflanze. Sie ist essenziell, um die Stämme zu kräftigen, die Temperatur zu regulieren und das Risiko von Schimmel und Schädlingsbefall zu minimieren. Mehr dazu im Grow-Wiki verschärft das Problem erheblich, da sie feuchte Luftnester innerhalb der Pflanze entstehen lässt, in denen die Sporen ideale Bedingungen vorfinden.
Warum Cannabisblüten besonders anfällig sind
Während des Wachstums sind die Blätter und Stängel relativ widerstandsfähig. In der Blütephase ändert sich dies jedoch drastisch. Die Blüten, auch „Buds“ genannt, entwickeln eine sehr dichte und kompakte Struktur. Diese Struktur kann Feuchtigkeit wie ein Schwamm aufsaugen und nur sehr langsam wieder abgeben. Im Inneren dieser dichten Blüten herrscht kaum Luftzirkulation, was ein perfektes Mikroklima für die KeimungDie Keimung ist der biologische Prozess, bei dem ein Pflanzensamen aus seiner Ruhephase erwacht und zu wachsen beginnt. Aus dem Samen entwickeln sich die Keimwurzel und der Keimling. Mehr dazu im Grow-Wiki von Schimmelsporen schafft. Ein einziger Regentag gefolgt von kühlem, windstillem Wetter kann ausreichen, um eine Infektion auszulösen.
Die häufigsten Schimmelarten beim Cannabisanbau
Obwohl es Tausende von Schimmelarten gibt, sind für den Cannabisanbau vor allem zwei von großer Bedeutung.
Grauschimmel (Botrytis cinerea)
Der GrauschimmelGrauschimmel, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea, ist eine der häufigsten und zerstörerischsten Pflanzenkrankheiten bei Cannabis. Er befällt vor allem dichte, reife Blüten bei feuchtkühler Witterung und führt zur Unbrauchbarkeit der Ernte. Mehr dazu im Grow-Wiki ist der mit Abstand häufigste und zerstörerischste Pilz im Outdoor-Anbau. Er ist besonders heimtückisch, da er oft im Inneren der dichten Blüten nahe am Stängel beginnt, wo er lange unentdeckt bleibt.
- Erkennungsmerkmale: Anfangs werden befallene Stellen weich, bräunlich und matschig. Bei genauerem Hinsehen oder beim Auseinanderbiegen der Blüte zeigt sich ein graues bis bräunliches, watteartiges Pilzgeflecht. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich der Pilz bei trockeneren Bedingungen in Form von grauem Staub (Sporen) zeigen, der sich bei Berührung leicht verteilt.
- Verbreitung: Die Infektion beginnt oft an einer kleinen, feuchten Stelle und breitet sich von innen nach außen aus, bis die gesamte Blüte zerfällt.
Echter Mehltau (Powdery Mildew)
Echter MehltauMehltau ist ein Sammelbegriff für Pflanzenkrankheiten, die durch Pilze verursacht werden. Man unterscheidet zwischen dem Echten Mehltau (abwischbarer Belag auf der Blattoberseite) und dem Falschen Mehltau (grauer Belag auf der Blattunterseite). Mehr dazu im Grow-Wiki ist ein Oberflächenpilz, der vor allem die Blätter befällt. Er ist weniger destruktiv für die Blütensubstanz als Grauschimmel, schädigt die Pflanze aber durch die Beeinträchtigung der Photosynthese und kann bei starkem Befall ebenfalls die Blüten überziehen.
- Erkennungsmerkmale: Er zeigt sich als weiße, mehlartige Flecken auf der Oberseite der Blätter. Diese Flecken lassen sich anfangs oft abwischen, kehren aber schnell zurück und breiten sich aus, bis das ganze Blatt bedeckt ist.
- Verbreitung: Die Sporen werden leicht durch den Wind verbreitet und können schnell andere Pflanzen oder Pflanzenteile infizieren.
Prävention: Die beste Strategie gegen Schimmel
Die proaktive Vermeidung von Schimmel ist weitaus effektiver als der Versuch, einen etablierten Befall zu bekämpfen.
Genetische und standortbedingte Maßnahmen
- Sortenwahl: Die Wahl einer schimmelresistenten Sorte ist die wichtigste Präventivmaßnahme. Sorten mit einer luftigeren Blütenstruktur (oft Sativa-dominant) oder speziell für kühles, feuchtes Klima gezüchtete StrainsEine Sorte (engl. Strain) bezeichnet im Cannabisanbau eine spezifische Zuchtlinie, die durch Kreuzung und Selektion stabile, vererbbare Eigenschaften wie Aroma, Wirkung, Wuchsform und Blütezeit aufweist. Mehr dazu im Grow-Wiki sind weniger anfällig.
- Standort: Ein sonniger, luftiger Standort ist entscheidend. Morgen- und Abendsonne helfen, den Tau schnell abzutrocknen. Ein stetiger, leichter Windzug verhindert die Bildung von feuchten Luftnestern.
- Pflanzabstand: Ein ausreichender Abstand zwischen den Pflanzen gewährleistet eine gute Luftzirkulation im gesamten Bestand.
Pflegemaßnahmen während des Anbaus
- PflanzentrainingBeschneiden bezeichnet im Cannabisanbau das gezielte Entfernen von Pflanzenteilen wie Blättern, Trieben oder Zweigen, um das Wachstum zu lenken, die Belüftung zu verbessern und den Ertrag zu maximieren. Mehr dazu im Grow-Wiki und EntlaubungEntlauben (Defoliation) ist eine Anbautechnik, bei der gezielt Blätter von der Cannabispflanze entfernt werden. Ziel ist es, die Lichtdurchdringung zu den unteren Blütenansätzen zu verbessern und die Luftzirkulation zu erhöhen, um den Ertrag zu steigern und Schimmel vorzubeugen. Mehr dazu im Grow-Wiki: Techniken wie LSTLow-Stress-Training (LST) ist eine Pflanzentrainingstechnik, bei der Triebe sanft heruntergebogen und fixiert werden, um die apikale Dominanz zu brechen. Dies fördert ein buschigeres Wachstum und eine bessere Lichtverteilung, was zu einem höheren Ertrag führt. Mehr dazu im Grow-Wiki (Low Stress Training) oder das gezielte Entfernen einiger großer FächerblätterFächerblätter sind die großen, handförmigen Blätter der Cannabispflanze. Als primäre Organe der Photosynthese sind sie für die Energieproduktion zuständig. Ihre Entfernung (Entlauben) ist eine gängige Technik zur Ertragssteigerung. Mehr dazu im Grow-Wiki (Entlaubung) öffnen die Pflanzenstruktur. Dies verbessert die Lichtdurchdringung und vor allem die Luftzirkulation im Inneren der Pflanze.
- Schutz vor Regen: Gerade in der späten Blütephase kann eine temporäre Überdachung bei langen Regenperioden die Ernte retten. Nach einem Regenschauer sollten die Pflanzen vorsichtig geschüttelt werden, um stehendes Wasser aus den Blüten zu entfernen.
- Biologische Spritzmittel: Präventive Sprays mit Schachtelhalmextrakt (stärkt die Zellwände) oder NeemölNeemöl ist ein pflanzliches Öl, das aus den Samen des Neembaums gewonnen wird. Es dient im biologischen Pflanzenschutz als Breitband-Insektizid und Fungizid zur Bekämpfung von Schädlingen wie Blattläusen, Spinnmilben und gegen Pilzbefall. Mehr dazu im Grow-Wiki können die Widerstandsfähigkeit der Pflanze erhöhen. Diese sollten jedoch nur in der vegetativen Phase oder der sehr frühen Blüte angewendet werden, um Rückstände auf den Blüten zu vermeiden.
Gesundheitsrisiken und Umgang mit befallenem Material
Mit Schimmel befallenes Cannabis darf unter keinen Umständen konsumiert, geraucht, verdampft oder zu Esswaren verarbeitet werden.
Schimmelpilze produzieren giftige Stoffwechselprodukte, sogenannte Mykotoxine. Das Einatmen dieser Toxine und Sporen kann zu schweren gesundheitlichen Problemen führen, darunter:
- Allergische Reaktionen und Asthmaanfälle
- Atemwegsinfektionen und Lungenentzündungen
- Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein
- Bei immungeschwächten Personen können systemische und lebensbedrohliche Pilzinfektionen die Folge sein.
Wird ein Schimmelbefall an einer Blüte entdeckt, muss diese großzügig entfernt werden. Dabei sollte man Handschuhe und idealerweise eine Maske tragen, um die Sporen nicht einzuatmen. Das verwendete Werkzeug (z.B. eine Schere) muss danach gründlich desinfiziert werden, um eine Übertragung auf gesunde Pflanzenteile zu verhindern. Ist eine Pflanze großflächig befallen, ist sie als Totalverlust zu betrachten und sollte komplett entsorgt werden.
