Apikale Dominanz

Apikale Dominanz ist das biologische Phänomen, bei dem der Haupttrieb einer Pflanze, auch Apex genannt, das Wachstum der darunterliegenden Seitentriebe hemmt. Dieses von Pflanzenhormonen gesteuerte Verhalten führt zur typischen, tannenbaumartigen Wuchsform vieler Pflanzen, einschließlich Cannabis, bei der ein zentraler Hauptstamm dominiert und die seitlichen Verzweigungen nach unten hin kürzer bleiben. Für Gärtner ist das Verständnis und die gezielte Beeinflussung der apikalen Dominanz ein fundamentaler Hebel zur Steigerung des Ertrags.

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Die biologische Funktion und Steuerung

Die apikale Dominanz wird primär durch das Pflanzenhormon Auxin gesteuert. Auxin wird in hoher Konzentration im Spitzenmeristem, dem aktiven Wachstumsgewebe an der Spitze des Haupttriebs, produziert. Von dort wird es nach unten durch den Stamm transportiert.

Die hohe Konzentration dieses Hormons signalisiert den seitlichen Achselknospen, in einem ruhenden Zustand zu verbleiben und ihr Wachstum einzuschränken. Entfernt sich eine seitliche Knospe durch das Längenwachstum des Haupttriebs weit genug von der Spitze, sinkt die Auxin-Konzentration, und der Seitentrieb beginnt zu wachsen. Dieses natürliche Prinzip sichert der Pflanze zu, dass sie ihre Energie vorrangig in das Höhenwachstum investiert, um im Wettbewerb um Sonnenlicht mit anderen Pflanzen zu bestehen.

Relevanz für den Cannabis-Anbau

Während die apikale Dominanz in der Natur sinnvoll ist, ist sie für den Gärtner, der eine maximale Ernte anstrebt, oft kontraproduktiv. Eine unberührte Cannabispflanze entwickelt eine große, zentrale Hauptblüte (Cola), während die unteren Blüten deutlich kleiner bleiben, da sie weniger Licht und Energie erhalten.

Das Ziel vieler Anbautechniken ist es daher, die apikale Dominanz bewusst zu brechen. Dadurch wird die Wachstumsenergie der Pflanze von einem einzigen Haupttrieb auf viele Seitentriebe umverteilt. Diese Seitentriebe entwickeln sich daraufhin zu mehreren gleichwertigen Hauptblüten, was zu einer breiteren, buschigeren Pflanzenstruktur führt. Ein solches gleichmäßiges Kronendach (Canopy) kann das Licht wesentlich effizienter nutzen, was letztendlich zu einem deutlich höheren Gesamtertrag führt.

Methoden zum Brechen der Apikalen Dominanz

Es gibt verschiedene bewährte Methoden, um die apikale Dominanz zu durchbrechen. Die zwei bekanntesten sind:

  • Topping (Kappen): Bei dieser Methode wird die Spitze des Haupttriebs physisch entfernt. Dies stoppt die Auxin-Produktion an dieser Stelle augenblicklich. Als Reaktion darauf leitet die Pflanze ihre Wachstumsenergie in die beiden nächstgelegenen Seitentriebe, die sich daraufhin zu zwei neuen Haupttrieben entwickeln.
  • Low Stress Training (LST): Anstatt die Spitze zu entfernen, wird der Haupttrieb beim LST vorsichtig heruntergebunden, sodass er horizontal wächst. Diese Neuausrichtung stört den vertikalen Fluss des Auxins. Die nun höchstgelegenen Seitentriebe werden nicht mehr gehemmt und wachsen ebenfalls stark in Richtung Licht, wodurch sich mehrere Hauptblüten bilden, ohne die Pflanze beschneiden zu müssen.

Beide Techniken werden während der vegetativen Phase angewendet, um der Pflanze Zeit zu geben, ihre neue Struktur zu entwickeln, bevor sie in die Blütephase übergeht.

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