Auxin

Auxin ist eine entscheidende Klasse von Pflanzenhormonen (Phytohormonen), die als zentrale Wachstumsregulatoren in der Cannabispflanze und anderen höheren Pflanzen fungieren. Das bekannteste natürliche Auxin ist die Indol-3-essigsäure (IAA). Diese Hormone werden hauptsächlich in den jungen Blättern und im Apikalmeristem (der obersten Triebspitze) produziert und steuern fundamentale Prozesse wie die Zellstreckung, die Wurzelbildung und die Reaktion der Pflanze auf Umweltreize wie Licht. Für Gärtner ist das Verständnis der Funktionsweise von Auxin der Schlüssel zur Anwendung effektiver Trainingstechniken zur Ertragssteigerung.

Inhaltsverzeichnis

Die Hauptfunktionen von Auxin

Auxine sind für eine Vielzahl von Wachstumsprozessen verantwortlich. Ihre Verteilung innerhalb der Pflanze diktiert, welche Teile wachsen und in welche Richtung. Die wichtigsten Funktionen umfassen:

  • Apikale Dominanz: Dies ist eine der bekanntesten Wirkungen von Auxin. Das in der obersten Triebspitze produzierte Hormon wird nach unten transportiert und hemmt das Wachstum der seitlichen Triebe. Dies führt zum typischen „Weihnachtsbaum“-Wuchs vieler Pflanzen, bei dem der Hauptstamm dominiert und die Seitenzweige kürzer bleiben.
  • Phototropismus: Pflanzen wachsen zum Licht, ein Prozess, der direkt von Auxin gesteuert wird. Trifft Licht auf eine Seite der Pflanze, wandert das Auxin zur schattigeren Seite. Die erhöhte Auxinkonzentration auf der Schattenseite stimuliert dort ein stärkeres Zellwachstum, wodurch sich der Stängel in Richtung der Lichtquelle krümmt.
  • Wurzelbildung (Rhizogenese): Auxine spielen eine entscheidende Rolle bei der Initiierung von Wurzelwachstum. Sie fördern die Bildung von Seitenwurzeln und sind insbesondere für die Entwicklung von Adventivwurzeln (Wurzeln, die aus dem Stammgewebe wachsen) unerlässlich.

Praktische Bedeutung für den Cannabis-Anbau

Das Wissen über die Wirkungsweise von Auxin ermöglicht es Gärtnern, das Wachstumsmuster ihrer Pflanzen gezielt zu manipulieren, um den Ertrag zu maximieren.

Topping und FIM

Beim Topping wird die oberste Triebspitze entfernt. Dadurch wird die Hauptquelle der Auxin-Produktion eliminiert, welche die Apikale Dominanz aufrechterhält. Die Hemmung der Seitentriebe fällt weg, und die Pflanze beginnt, ihre Energie in die Entwicklung von zwei oder mehr neuen Haupttrieben zu stecken. Das Ergebnis ist eine buschigere Pflanze mit mehreren Hauptblüten anstelle von nur einer.

Low Stress Training (LST)

Beim LST wird der Haupttrieb sanft nach unten gebogen und horizontal fixiert. Dies unterbricht den vertikalen Transport des Auxins. Das Hormon verteilt sich gleichmäßiger in den nun höhergelegenen Seitentrieben, was deren Wachstum stark anregt. Diese Triebe wachsen nach oben und entwickeln sich zu ebenbürtigen Hauptblüten, was die Lichtausnutzung und den potenziellen Ertrag erheblich steigert.

Stecklinge und Klonen

Die Fähigkeit von Auxin, die Wurzelbildung zu fördern, wird bei der Vermehrung durch Stecklinge genutzt. Bewurzelungshilfen in Form von Gels oder Pulvern enthalten synthetische Auxine (z.B. Indol-3-buttersäure, IBA). Werden Stecklinge in diese Hormone getaucht, wird die Bildung neuer Wurzeln am Stängel massiv stimuliert, was die Erfolgsrate beim Klonen deutlich erhöht.

Siehe auch