Anbaukalender

Ein Anbaukalender ist ein chronologischer Zeitplan, der alle wichtigen Phasen und Aufgaben für den Cannabisanbau über eine Saison hinweg strukturiert. Er dient als Fahrplan von der Auswahl der Samen bis zur finalen Veredelung (Curing) der Ernte. Insbesondere beim Outdoor-Anbau in Klimazonen mit ausgeprägten Jahreszeiten, wie in Deutschland, ist ein solcher Kalender ein unverzichtbares Werkzeug. Dabei wird grundsätzlich zwischen dem Kalender für klassische, photoperiodische Sorten und dem für gen-gesteuerte Autoflower-Sorten unterschieden.

Inhaltsverzeichnis

Die Funktion eines Anbaukalenders

Der Hauptzweck eines Anbaukalenders ist es, Planungssicherheit zu schaffen und sicherzustellen, dass kritische Zeitfenster nicht verpasst werden. Er hilft dabei, die einzelnen Lebensphasen der Cannabispflanze – Keimung, Wachstum, Blüte und Ernte – mit den saisonalen Bedingungen zu synchronisieren.

Für Gärtner bietet er folgende Vorteile:

  • Struktur: Er gliedert die Saison in überschaubare Abschnitte und Aufgaben.
  • Vorausschauende Planung: Aufgaben wie die Samenauswahl, die Vorbereitung des Standorts oder die Beschaffung von Dünger können rechtzeitig erledigt werden.
  • Optimierung: Er stellt sicher, dass die Pflanzen zur richtigen Zeit nach draußen gesetzt werden (nach dem letzten Frost) und vor dem ersten Herbstfrost geerntet werden können.
  • Fehlervermeidung: Gerade Anfänger vermeiden so typische Fehler, wie eine zu späte Aussaat, die zu einer unreifen Ernte führen kann.

Kalender für photoperiodische Sorten (Mitteleuropa)

Ein typischer Anbaukalender für photoperiodische Cannabissorten in Deutschland orientiert sich an den folgenden Zeiträumen, da diese von der Länge des Tageslichts abhängig sind:

  • Februar – März (Vorbereitung): Auswahl der passenden Outdoor-Sorten und Bestellung der Samen. Vorbereitung des Anbaustandorts und der Ausrüstung.
  • April – Anfang Mai (Keimung & Vorzucht): Die Samen werden zum Keimen gebracht und die Sämlinge drinnen vorgezogen, um einen Wachstumsvorsprung zu erzielen.
  • Mitte Mai – Juni (Auspflanzen & Wachstumsphase): Nach den Eisheiligen (Mitte Mai) werden die Jungpflanzen ins Freie gesetzt. Die vegetative Wachstumsphase beginnt.
  • Juli – August (Wachstum & Blüte-Einleitung): Die Pflanzen wachsen stark. Ab Mitte August werden die Tage kürzer, was bei photoperiodischen Sorten die Blütephase einleitet.
  • September – Oktober (Blüte & Ernte): Die Hauptblütezeit. Die Beobachtung der Trichome ist entscheidend, um den perfekten Erntezeitpunkt zwischen Ende September und Ende Oktober zu bestimmen.
  • Oktober – November (Trocknung & Curing): Nach der Ernte folgen die wichtigen Schritte der Trocknung und Veredelung.

Besonderheiten im Kalender für Autoflowers

Im Gegensatz zu photoperiodischen Sorten blühen Autoflowers nicht basierend auf der Tageslichtlänge, sondern beginnen nach einer genetisch festgelegten Zeit (meist 3-4 Wochen) automatisch zu blühen. Ihr gesamter Lebenszyklus von der Keimung bis zur Ernte ist mit etwa 8 bis 12 Wochen sehr kurz. Dies schafft eine enorme Flexibilität im Anbaukalender.

Die wichtigste Konsequenz ist die Möglichkeit von mehreren Ernten pro Saison. Ein gestaffelter Anbau ist problemlos möglich:

  • Erster Durchgang: Aussaat Mitte Mai -> Ernte Ende Juli / Anfang August.
  • Zweiter Durchgang: Aussaat Anfang Juli -> Ernte Mitte / Ende September.

Diese Planung erlaubt es, die Ernte einzufahren, bevor die kritische und schimmelanfällige Herbstwitterung einsetzt. Theoretisch ist sogar eine dritte Runde möglich, wenn der erste Durchgang schon im April drinnen gestartet wird. Ein später Start als Mitte Juli ist für den letzten Durchgang jedoch riskant, da die Pflanzen dann im Oktober reifen, wenn Kälte und Regen die Qualität mindern können.

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