Kreuzung
Eine Kreuzung bezeichnet im Bereich des Cannabisanbaus den gezielten Prozess, bei dem der Pollen einer männlichen Pflanze auf die Blüte einer weiblichen Pflanze übertragen wird, um sie zu bestäuben und Samen zu erzeugen. Dieser Vorgang ist die fundamentale Grundlage der Cannabis-Züchtung (engl. Breeding) und ermöglicht es, die genetischen Eigenschaften von zwei unterschiedlichen Elternpflanzen in einer neuen Generation zu kombinieren. Fast jede heute erhältliche Cannabissorte ist das Ergebnis sorgfältiger und oft langwieriger Kreuzungs-Prozesse.
Inhaltsverzeichnis
Der grundlegende Prozess der Kreuzung
Der Ablauf einer Kreuzung folgt den natürlichen Prinzipien der Fortpflanzung von zweihäusigen Pflanzen. Der Züchter wählt dafür gezielt eine männliche und eine weibliche Pflanze aus, die als Eltern (P1-Generation) dienen.
- Selektion der Eltern: Zunächst werden zwei Pflanzen mit wünschenswerten Eigenschaften ausgewählt. Beispielsweise könnte eine Pflanze ein besonders intensives Aroma besitzen, während die andere sehr resistent gegen SchimmelSchimmel ist ein Sammelbegriff für Pilze, die Cannabis-Pflanzen befallen können, insbesondere die dichten Blüten. Die häufigsten Arten sind Grauschimmel (Botrytis) und Echter Mehltau. Ein Befall stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und macht die Ernte unbrauchbar. Mehr dazu im Grow-Wiki ist.
- Pollengewinnung: Die männliche PflanzeEine männliche Pflanze produziert Pollensäcke statt harziger Blüten. Ihre Hauptfunktion ist die Bestäubung weiblicher Pflanzen, was zur Samenproduktion führt und den Ertrag an rauchbaren Blüten (Sinsemilla) verhindert. Mehr dazu im Grow-Wiki produziert in ihren Pollensäcken den Blütenstaub (Pollen), der die männlichen Erbinformationen enthält. Sobald die Säcke reif sind und sich öffnen, wird dieser Pollen vorsichtig gesammelt.
- Bestäubung: Der gesammelte Pollen wird anschließend gezielt auf die BlütenstempelBlütenstempel, auch Pistillen genannt, sind die feinen, haarähnlichen Fortsätze der weiblichen Cannabisblüte. Sie dienen dem Einfangen von Pollen und ihre Farbveränderung von Weiß zu Orange/Braun signalisiert die Reife der Pflanze. Mehr dazu im Grow-Wiki (Pistillen) der weiblichen Pflanze aufgetragen. Dies geschieht in der Regel in der mittleren bis späten BlütephaseDie Blütephase ist der Lebensabschnitt der Cannabispflanze, in dem sie ihre Blüten (Buds) entwickelt. Sie wird durch eine Verkürzung der täglichen Lichtstunden eingeleitet und ist entscheidend für den späteren Ertrag und die Potenz der Ernte. Mehr dazu im Grow-Wiki.
- Samenproduktion: Nach der erfolgreichen Bestäubung stellt die weibliche Pflanze die Entwicklung der unbefruchteten BlütenEin Bud ist die Blüte der weiblichen Cannabispflanze, in der Cannabinoide und Terpene produziert werden. Er besteht aus einer Ansammlung von Blütenkelchen (Calyxen), Stempeln (Pistillen) und Trichomen. Mehr dazu im Grow-Wiki (SinsemillaSinsemilla ist ein Begriff für unbestäubte, weibliche Cannabispflanzen, die keine Samen ausbilden. Diese Technik führt zu potenteren Blüten (Buds), da die Pflanze ihre gesamte Energie in die Harz- und Cannabinoidproduktion investiert. Mehr dazu im Grow-Wiki) ein und konzentriert ihre Energie auf die Produktion von Samen. In den Samenkapseln (CalyxDer Kelch (Calyx) ist der erste Teil, der sich bei der Bildung einer weiblichen Cannabis-Blüte entwickelt. Er besteht aus kleinen Blättchen, die die Fortpflanzungsorgane schützen und die höchste Konzentration an Trichomen aufweisen. Mehr dazu im Grow-Wiki) reifen innerhalb mehrerer Wochen die Samen heran.
Diese Samen tragen nun die kombinierten Gene beider Elternteile in sich und stellen die nächste Generation (F1-Generation) dar.
Ziele der Cannabis-Züchtung
Durch die gezielte Kreuzung versuchen Züchter, bestimmte Eigenschaften zu verbessern oder neu zu kombinieren. Die häufigsten Ziele sind:
- Potenz und Cannabinoidprofil: Erhöhung des Gehalts an THCTetrahydrocannabinol, besser bekannt als THC, ist das bekannteste und primär psychoaktive Cannabinoid der Cannabispflanze. Es ist für die berauschende Wirkung verantwortlich und entsteht in den Trichomen der weiblichen Blüten. Mehr dazu im Grow-Wiki, CBDCannabidiol, besser bekannt als CBD, ist eines der bekanntesten nicht-psychoaktiven Cannabinoide der Cannabispflanze. Im Gegensatz zu THC erzeugt es keinen Rausch und wird für seine potenziellen therapeutischen Eigenschaften geschätzt. Mehr dazu im Grow-Wiki oder anderen Cannabinoiden.
- Aroma und Geschmack: Schaffung einzigartiger Terpenprofile für besondere Geruchs- und Geschmackserlebnisse.
- Ertrag: Steigerung der produzierten Blütenmenge pro Pflanze.
- Resistenz: Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge, Schimmel und Krankheiten.
- Anpassung an das Klima: Züchtung von Sorten mit kürzeren Blütezeiten, die für kühlere Regionen mit kurzen Sommern geeignet sind (z.B. AutoflowerAutoflower, oder selbstblühendes Cannabis, ist eine Cannabis-Art, die nicht auf eine Veränderung des Lichtzyklus angewiesen ist, um in die Blütephase zu wechseln. Sie beginnt nach einer genetisch festgelegten Zeitspanne von selbst zu blühen. Mehr dazu im Grow-Wiki oder Early-Versionen).
- Wachstumsstruktur: Beeinflussung der Pflanzengröße, des Streckungsverhaltens oder der Farbe.
Durch wiederholte Kreuzungen, Rückkreuzungen und Selektionen über mehrere Generationen hinweg können Züchter diese gewünschten Merkmale stabilisieren und so eine neue, konsistente SorteEine Sorte (engl. Strain) bezeichnet im Cannabisanbau eine spezifische Zuchtlinie, die durch Kreuzung und Selektion stabile, vererbbare Eigenschaften wie Aroma, Wirkung, Wuchsform und Blütezeit aufweist. Mehr dazu im Grow-Wiki erschaffen.
